Der Kräherstamm - SV zur Erhaltung asiatischer Langkräherrassen

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Tipps zur Zucht
Der Kräherzuchtstamm
Um in der Kräherzucht Tiere zu erhalten, die dem hohen Anspruch „Leistung und Schönheit“ gerecht werden, bedarf es genauer Planung und Überlegung.
Aus Erfahrung wissen wir, dass die Verbesserung der Leistung – bei unseren Rassen die Leistung als Langkräher – viel schwieriger durch Zuchtwahl zu beeinflussen ist als das äußere Erscheinungsbild, dargestellt durch Typ, Form, Farbe und Zeichnung. Daraus folgt zwingend:
Der Zuchthahn muss das Rassemerkmal „lang anhaltendes Krähen“ mit guter Stimme optimal vertreten, dann ist von ihm die erwünschte Krähernachzucht zu erwarten. Kleine Schönheitsfehler kann man da eher vernachlässigen. Und vergessen Sie nie, dass die robuste Vitalität des Gockels allererste Vorraussetzung für gute Befruchtung und guten Schlupf der Küken ist.
Hähne, die während ihrer Entwicklung zeitweilig im Wachstum zurückgeblieben sind, die Beinschwäche zeigten oder sich anfällig für Erkältungskrankheiten erwiesen haben, sollten ihr Erbgut nicht weitergeben. Das Hochpäppeln von lebensschwachem Nachwuchs ist eines der großen Probleme unserer heutigen Rassezucht. Viele unserer bekannten einstigen Leistungsrassen verdanken den Niedergang ihrer Legeleistung der einseitigen Selektion für übertriebene Ansprüche des Schauwesens.
Bei unseren Kräherrassen muss die vorrangige Selektion für den Schauerfolg zwangsläufig zur Minderung des Hauptrassemerkmals „Langkräher“ führen. Deshalb gibt es in Japan Züchter der Koeyoshi, die die Meinung vertreten, es sei der Rasse abträglich, wenn man sie ausstellen und dem Didakt eines Standards unterwerfen würde. Ich habe dem bei meinen Besuchen wiedersprochen. Man kann durchaus Leistungs- und Schönheitszucht miteinander vereinbaren, das eine nicht ohne das andere tun. Doch sollte uns bewusst sein, dass damit an den Züchter hohe Ansprüche gestellt werden. Deren erste ist die konsequente Auslese auf Gesundheit, Frohwüchsigkeit und Lebenskraft.
Treffen Sie die Auswahl der Zuchthennen nach ihrer Legeleistung, die bestimmt wird von einem frühen Legebeginn und einer langen Legeperiode. Legeleistung ist ein Ausdruck von Gesundheit und Lebenskraft. Spät mit dem Legen beginnende Hennen kommen bei mir nicht in die Zucht, weil der späte Legebeginn nicht nur seine Ursache in einer schlechten Legeleistungsveranlagung sondern auch in mangelnder Gesundheit und Vitalität haben kann.
Warten Sie deshalb nicht auf die Bruteier der schönsten Henne, wenn sich diese mit dem Legebeginn besonders viel Zeit lässt! Sie ist es nicht wert und gibt ihre Veranlagung an die Nachzucht weiter. Das merken Sie aber erst im nächsten Frühjahr.
Bewährte Zuchthennen, die ein glattes und nicht zu kleines Brutei liefern, die zügig ihre Herbstmauser bewältigen, die wieder frühzeitig mit Legen begonnen und Nachzuchthähne mit überdurchschnittlicher Krähleistung geliefert haben, die sind für den Züchter die wertvollsten und eigentlich unbezahlbar! Denen sollte man ein langes Leben gönnen. Davon braucht man nur zwei oder drei, um einen erfolgrichen Stamm aufzubauen. Massenzucht passt nicht in das Bild, das ich von der Kräherzucht habe.
Da Hennen in der Regel nicht krähen – von Ausnahmen abgesehen – ist es schwierig zu ermitteln, ob sie gute Krähleistung an ihre Söhne vererben werden. Was ist zu tun, um sich vor Enttäuschungen zu schützen?
Wer den Stammschlupf organisieren kann und seine Küken kennzeichnet und deshalb Vater und Mutter seiner Nachzucht kennt, der sollte sich Aufzeichnungen machen, welche Krähleistungen die Brüder der vorgesehenen Zuchthenne erbracht haben. Ich züchte nur von Hennen, deren Brüder überdurchschnittliche Krähleistungen erbracht zeigen. Älteren Rassebeschreibungen der bergischen Kräher kann man entnehmen, dass spät krähende Junghähne die besseren Langkräher würden. Leider wird dieser Unfug immer mal wieder nachgebetet. Gesunde und deshalb frohwüchsige Junghähne werden eher geschlechtsreif beginnen deshalb auch früher mit den ersten Krähversuchen. Sie sind die vitalen Vererber der Frühreife an die Töchter, da äußern sich Gesundheit und Vitalität in zeitigem Legebeginn.
Ich stelle jedes Jahr erneut fest, dass bei meinen Denizli und Totenko die frühreifen, die zuerst krähenden Junghähne, in der Regel die besseren Langkräher werden.
Eines sollte jedem Kräherzüchter klar sein: Wird das Hauptrassemerkmal nicht von beiden Eltern vererbt, stellt sich im Herbst des Zuchtjahres mit Gewissheit Enttäuschung bei den ersten Krähversuchen der Junghähne ein.

Bericht: Wolfgang Vits, Marburg 2003
Impfvorsorge ja oder nein?

Liebe Zuchtfreunde, in vielen Diskussionen unter Geflügelzüchtern wird das Thema Impfschutz unterschiedlich gewertet. Für einige von uns steht es außer Frage, ihren Geflügelbestand mit ausreichendem Impfschutz zu versehen und auf diese Weise bessere Aufzuchterfolge, weniger Ausfälle durch vermeidbare Verluste und infolgedessen auch ungeschmälerte Freude an der ungestörten Entwicklung ihrer Tiere zu haben.
Im Jahr 2001 habe ich an mehreren Vorträgen von Experten teilgenommen, die sich mit der Impfvorsorge befaßt haben und möchte in knapper Form das Wichtigste zusammen mit persönlichen Erfahrungen an Sie weitergeben.

In Deutschland besteht für jeden (auch privaten) Hühnerhalter eine Impfpflicht gegen die Newcastle Disease (kurz: ND, atypische Geflügelpest). Wir weisen darauf hin, dass diese Impfpflicht ernst genommen werden muss und eine regelmäßige Impfung eurer Hühner unerlässlich ist. Der Impfturnus ist von der Art der Impfung abhängig. So ist bei Trinkwasserimpfung mit Lebensimpfstoff eine regelmäßige Impfung im Abstand von 6 Wochen vorgeschrieben.

Die Marek’sche Lähme, eine Viruserkrankung, sollte Grundsätzlich durch die Immuniesierung der frisch geschlüpften Küken erfolgen. Das Mittel ist teuer und wird nur in großen Dosen abgegeben. Deshalb sollten Sie sich mit Zuchfreundenaus Nachbarvereinen verabreden, damit Sie einen gemeinsamen (d.h. zeitgleichen) Schlupf am ersten Lebenstag impfen können (mit Nadel).

Die Coccidiose hat sich in fast allen Beständen ausgebreitet, die in stark besetzten Ställen und Ausläufen aufwachsen. Seit einigen Jahren gibt es wirksame Mittel zur Trinkwasservaccinierung. Der flüssige Impfstoff wird zwischen dem 5. und 9. Lebenstag der Küken über das Trinkwasser verabreicht. Wichtig ist, dass die Küken 5 Wochen lang in derselben Einstreu und nicht auf Draht gehalten werden. Die Coccidiose ist ein Wegbereiter für viele andere Krankheiten, weil sie den Organismus der Tiere schwächt. Sie wachsen nicht und stehen frierend herum. Vorsicht ist geboten bei der zu häufigen Anwendung von Sulfonamiden. Das kann zu inneren Blutungen und Störung des Immunitätsaufbaus führen. Wenn bei starkem Coccidienbefall die Behandlung mit ESB 30 notwendig wird, dann einmal und richtig dosiert.

Gumboro ist im Erscheinungsbild der Coccidiose sehr ähnlich. Die Bursa wird verändert, damit haben die Küken keinen Wiederstand gegen Infektionskrankheiten. Die Verluste durch flächenhafte Blutungen können bis zu 60 % des Bestandes betragen. Die Impfung wird empfohlen.
Nach persönlichen Erfahrungen mit der Aufzucht der japanischen Kräherrassen und zahlreichen Untersuchungen durch die tierärztliche Hochschule in Gießen habe ich den Eindruck erhalten, dass Totenko und Koeyoshi besonders anfällig gegen Coccidiose sind und ohne Wachstumsunterbrechung, wenn sie professionell gegen Coccidiose und Gumboro immunisiert werden.

Wer einmal, wie ich, ILT (infektiöse Laryngo-Tracheitis) in seinem Bestand erlebt und erlitten hat, der wird vor Beginn der Schauen impfen (Augentropfmethode). Die Tiere ersticken bei Infizierung an einem blutigen Schleim, den sie aus der Luftröhre schleudern. Ich verlor 1999 ein drittel meiner robusten Denizli, die in der Regel so schnell nichts umwerfen kann.

In viel Beständen treten gehäuft Mykoplasmen auf, als Geflügelschnupfen erkennbar (Atemgeräusche). Wirksame Mittel sind Baytril und Tylan. Auch die Mykoplasmose ist Wegbereiter für weitere Infektionen.

Manche Zeuchtfreunde wird dies aufwendig und kompliziert vorkommen. Gewiss lohnt sich die Behandlung erkrankter Tiere mit teuren Medikamenten nur für unsere wertvollsten Zuchttiere. Aber sind unsere Spitzenkräher nicht alle unersetzlich? Die Zuchtbasis aller unserer Rassen ist nicht breit genug, als dass wir uns unnötige Verluste durch nachlässigen Umgang mit ihnen erlauben könnten. Deshalb rate ich: Schließen Sie sich mit anderen verantwortungsbewussten Züchteren zu Impfgemeinschaften zusammen! Damit können Sie die Kosten erheblich mindern.
Vorbeugend können Sie manche Infektionen verhindern:

Achten Sie darauf, dass die Brutmaschine vor Brutbeginn mit Formalin desinfiziert wird.
Erbrüten Sie nicht mehr Küken, wie die Stallungen und Ausläufe platzmäßig vertragen.
Überbesatz ist die Ursache vieler Übel!

Bericht: Wolfgang Vits, Marburg
Letzte Änderung: 13.09.2019
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